Verlassen im Gulag

Frau Dahlhoff wärend der Vorlesung

Frau Dahlhoff während der Vorlesung

Wie ist das Leben in einem sowjetischen Kindergefangenenlager (russisch Gulag) aus der Sicht eines vierjährigen Mädchens? Wie ist es wohl, dort um sein Leben zu kämpfen, hungern zu müssen und vergewaltigt zu werden?

Monika Dahlhoff, Autorin zweier Bücher, erzählte uns, dem 12. Jahrgang, ihre grausame Geschichte mit voller Offenheit. Uns Schüler beeindruckte, schockierte und erstaunte sie und löste bei allen Gänsehaut, zugleich aber auch Bewunderung durch ihren Mut, ihre Geschichte zu erzählen, und ihre Stärke, solch furchtbare Erlebnisse erfahren und überlebt zu haben, aus.

Mit ruhiger Stimme bekamen wir zu hören, wie sie mit vier Jahren von einer fürsorglichen Familie in ein Kinderlager gelangte und dort zu leben aufhörte, aber zu überleben begann.

Im miserablen Umfeld des eiskalten Sibiriens  kämpfte sie täglich um ein Stück Brot. Doch wenn es keins gab, griff sie auf Insekten, Erde und Würmer zurück, die sie schließlich am Leben hielten. Andere Kinder hatten jedoch weniger Glück, so auch ihr kleiner Bruder, berichtete Dahlhoff.

Ihre Erwartungen, ihre Mutter nach der Freilassung wiederzusehen, wurden zunächst nicht erfüllt, da sie an eine Adoptivfamilie weitergeleitet wurde. Als sie dann später zu ihrer leiblichen Mutter zurückfand, nahm ihre grausame Geschichte jedoch weiter ihren Lauf.

Von ihrer Mutter abgestoßen und von ihrem Stiefvater mehrfach vergewaltigt versuchte sie als nun vierzehnjähriges Mädchen erneut von Tag zu Tag zu überleben und die Geschehnisse zu verkraften. Ihre Erwartungen, ihr Leben würde sich nach dem grausigen Aufenthalt im russischen Gulag ins Positive ändern, wurden hiermit vernichtet.

Zum Schluss ihrer Vorlesung ermöglichte Sie den Schülern, diverse Fragen rund um ihre Geschichte und den zeithistorischen Kontext zu stellen. Auch hier antwortete Dahlhoff mit erstaunlicher Präzision und Offenheit aber auch Humor.

Frau Dahlhoff beim anschließenden kurzen Dialog mit einigen Schülern

Frau Dahlhoff beim anschließenden kurzen Dialog mit einigen Schülern

Wir bedanken uns bei allen Lehrern und Vertretern, die diese Vorlesung ermöglicht haben, und natürlich auch bei Frau Dahlhoff, die uns an ihrer so intimen Geschichte teilnehmen lassen konnte.

Junge Probleme
Die Schülerzeitung zu Besuch bei der SUR

Kommentare

  1. Monika Dahlhoff
    15. März 2017 - 7:34

    Es hat mich sehr berührt eine Einladung in der Deutschen Schule in Marbella zu bekommen und was für mich sehr ergreifend und erstaunlich war mit welcher Begeisterung und Disziplin die Schüler der 12. Klasse meiner Lesung aus dem Buch : Eine Handvoll Leben, meine Kindheit im Gulag zuhörten und teilnahmen. Es ist eine Lebensgeschichte aus dem zweiten Weltkrieg und wie es einem Kind das erst 4 Jahre jung erging, es 4 lange Jahre in Siebirien gefangen gehalten wurde und eigendlich sterben sollte so wie viele andere Kinder die dort in den Baracken, der Kälte,dem Hunger und der völligen Verwahrlosung ausgesetzt waren. Ich danke von ganzem Herzen den Kindern die mir zuhörten. Ebenfalls den Lehrern die mir es ermöglichten diese Lesung zu halten.
    In ewiger Erinnerung Monika Dahlhoff

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